Gedanken zum Wochenspruch zum 2. Sonntag nach Trinitatis

25.06.2022

Gedanken zum Wochenspruch zum 2. Sonntag nach Trinitatis

Christus sprich: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.     Mt. 11,28

Liebe Schwestern und Brüder!

Ja, Mühselige und Beladene gibt es heute in unserer Zeit viele, vielleicht sogar mehr als zu anderen Zeiten. Die ganze Welt scheint auf dem Kopf zu stehen. Nie wieder Krieg in Europa, so hieß es einmal. Und was haben wir jetzt? Krieg in der Ukraine, ausgelöst von einem nach Macht und Herrschaft dürstenden Präsidenten. Endlich kann man sich wieder treffen, gemeinsam feiern, ins Stadion gehen, gemeinsam Geburtstag feiern oder einfach nur so zusammen abhängen. Und schon wird die ganze Freude wieder dadurch getrübt, dass

die Infektionszahlen in die Höhe schnellen. Man prognostiziert schon wieder einen bösen Herbst mit neuen Coronavarianten und sieht einen problematischen Sommer. Apropos Sommer. Da tut sich ja schon wieder das nächste Problem auf, das wir schon vergessen zu haben schienen, der Klimawandel. Die ersten Hitzewellen haben wir bereits hinter uns mit allem, was dazu gehört. In Brandenburg brennen die Wälder und in anderen Teilen der Welt schwimmen die Menschen mit all ihrem Hab und Gut weg. Und auf der anderen Seite lese ich heute Morgen in der Tageszeitung, dass so viele Menschen auf den deutschen Flughäfen erwartet werden, dass man nicht weiß, wie man mit diesen Massen umgehen soll. Was bedeutet das für den Klimaschutz und unsere Verantwortung für den Klimawandel? Ich weiß nicht, wie es Euch so ergeht. Ich habe schon keine Lust mehr, abends den Fernseher einzuschalten, um die Nachrichten zu sehen. Gibt es eigentlich überhaupt noch irgendetwas Positives auf dieser Welt oder ist alles nur noch schlecht und mit Problemen behaftet? Mühselig und beladen, ja, so kommt mir die Welt heute vor, und damit eben auch die Menschen. Nur wie soll das denn weitergehen, wie sieht die Welt aus, wenn unsere Kinder mal so alt sind wie ihre Großeltern? Und wer genau sind denn da die Mühseligen und Beladenen und wo holen sie sich ihre Erquickung? Im Zusammenhang unseres Wochenspruches spricht Jesus hier zu Menschen, die weder zur führenden Schicht des Landes, noch zur geistigen Elite gehörten. Nach seinen „Weherufen“ auf die galiläischen Städte preist Jesus Gott, der die Erkenntnis des in ihm gekommenen Reiches Gottes denen offenbart hat, die eben zu dieser Gruppe der Gesellschaft gehörten. Also vor allem die, die nichts mehr zu erwarten hatten, die unter Unterdrückung, finanzieller Not und Ausbeutung ohnmächtig litten, gehörten damals zu den Mühseligen und Beladenen, die allein in Jesus, dem Sohn Gottes Hilfe und Erquickung erwarteten. Wie gesagt, Mühselige und Beladenen gibt es heute sehr viele. Bewegungen wie Greenpeace und Fridays for Future und ihre vielfältigen Aktionen zeigen, wie sehr vor allem auch jüngere Menschen unter der gegenwärtigen Situation leiden und wie dunkel sie in die Zukunft sehen. Aber wo sucht der heutige Mensch Erquickung? Ich glaube, viele denken heute: Ach, das wird schon wieder. Kommt Zeit, kommt Rat. Man baut darauf, dass zukünftige Generationen die Lösung schon finden werden. Auch in der größten Not scheint da die Hoffnung auf Fortschritt und Technik ungebrochen zu sein. Andere machen die Augen zu, frei nach dem Motto: Nach mir die Sintflut. Wenn uns die Klimakatastrophe einholt, dann sind wir so wie so alle schon tot. Was kümmert es also uns? Nur dass das so nicht hinhaut, zeigen die Überschwemmungs – Brand –und Sturmkatastrophen im letzten und auch schon in diesem Jahr. Das Motto: Augen zu und durch, funktioniert bei weitem nicht. Erquickung, im Sinne von Ermutigung zum Weitermachen, Hoffnung in oft aussichtsloser Situation, Licht am Ende des Tunnels, ist in heutigen Technologien kaum zu finden, vor allem, wenn jeder nur an sich denkt und vollkommen unbedarft den nächsten Flieger besteigt. Jesus bietet eine andere Art der Erquickung an. Wenn er von Mut, Hoffnung und Zukunft spricht, dann sieht er das vor allem in den Händen Gottes begründet. Weil es seine Welt ist, die ihm nicht gleichgültig ist, sonst hätte er seinen Sohn nicht für diese Welt und diese Menschen geopfert, dürfen wir unsere Sorgen vor ihn bringen. Was Gott damit macht, liegt nicht in unseren Händen, sondern allein bei ihm. Aber wir dürfen wissen, dass sie bei ihm gut aufgehoben sind. Erquickung, die Jesus verspricht, rechnet mit diesem uns liebenden und gnädigen Gott, der versprochen hat, bei uns zu sein bis an der Welt Ende.

Und nun wünsche ich euch eine schöne Woche; und: bleibt alle gesund.

Euer P. Gräwe