Geschichte

Geschichte des Posaunenwerkes in der Evangelischen Kirche von Westfalen

Johannes Kuhlo und Minden-Ravensberg – diese beiden Namen gehören zur „Urgeschichte“ des westfälischen Posaunenwerkes.

Sein historischer Beginn ist datiert auf das Jahr 1934 durch eine Zwangsmaßnahme der Nationalsozialisten. Als Folge der Gleichschaltung im kulturellen Bereich wurde am 15. November 1933 die Reichsmusikkammer eröffnet, in deren Reichsfachschaft „Chorwesen und Volksmusik“ die Posaunenchöre eingegliedert werden sollten. So kam es dann am 8. Mai 1934 zur Gründung des „Verbandes evangelischer Posaunenchöre“ (VeP) – ab 1935 mit dem Zusatz „…Deutschlands“ (VePD). In diesem Verband waren alle Posaunenchöre, einschließlich der CVJM-Chöre, vereinigt.

Der Essener Pfarrer Fritz Bachmann wurde zum Reichsobmann gewählt. Im selben Monat wurde der Betheler Diakon Walther Duwe von dem Reichsobmann zum Landesobmann von Westfalen und Lippe ernannt. 1937 erweiterte sich dieser Landesverband zum Landesverband Westfalen-Lippe-Bremen, da das reformierte Bremen wegen seiner langjährigen Beziehungen zu Johannes Kuhlo und Bethel für diesen Anschluss votierte.

Maßgeblich in dieser Zeit war das sogenannte Führerprinzip: So berief der Landesobmann den Landesposaunenrat und die Kreisobmänner. Der Aufbau ging von oben nach unten mit sehr eingeschränkten Mitwirkungsmöglichkeiten der Basis.

Nach dem Kriegsende 1945 kam es dann in Westfalen nach langjährigen Querelen zur Spaltung der Posaunenchorarbeit: Aus dem VePD war 1946 das „Posaunenwerk der EKD“ geworden, aus dem der C VJM im Jahre 1948 seine Chöre zurückzog, so dass es seitdem im Bereich der westfälischen Landeskirche zwei Posaunenchorverbände gab und gibt: das „Posaunenwerk der Evangelischen Landeskirchen in Westfalen und Lippe“ und der „CVJM-Westbund“. Im Jahre 1972 wurde das „Posaunenwerk der Lippischen Landeskirche“ etabliert, und das westfälische Werk hieß fortan: „Posaunenwerk in der Evangelischen Kirche von Westfalen“. Es versteht sich wohl von selbst, dass nach Kriegsende in der Satzung des westfälischen Posaunenwerkes das autoritäre Führerprinzip durch das Basisprinzip ersetzt worden ist.

Aus dem anfänglichen Gegeneinander und dem jahrzehntelangen Nebeneinander zwischen Posaunenwerk und Westbund wurde dank des Wirkens der zweiten Generation der Posaunenwarte, der gemeinsamen Kirchentagsarbeit und des im Jahre 1994 gegründeten neuen Dachverbandes EPiD ein vertrauensvolles Miteinander mit vielen gemeinsamen Aktionen.

Im Jahre 1966 trat Walther Duwe, der auch als ehrenamtlicher Posaunenwart fungierte, vom Amt des Landesobmannes zurück, und es wurde die Stelle eines hauptamtlichen Landesposaunenwartes geschaffen, die dann 1967 mit Werner Benz besetzt wurde, während der Landesobmann ehrenamtlich tätig war und ist.

Der Aufschwung des westfälischen Posaunenwerkes lässt sich an der Auflistung der hauptamtlichen Landesposaunenwarte ablesen:

Werner Benz (1967 - 2000)
Karl-Heinz Saretzki (1972 - 2007)
Günter Marstatt (1987 - 1990)
Ulrich Dieckmann (seit 1991)
Daniel Salinga (seit 2007)

Die Liste der Landesobmänner:
Wilhelm Sichtermann (1966)
Otto Mengedoht (1967 - 1972)
Paul Gerhard Tegeler (1972 - 1978)
Dieter Mayer (1978 - 2002)
Bernhard Silaschi (2002 - 2008)
Christoph Fischer (2008 / verstorben)
Peter Gräwe (seit 2008)

Bei konstanter Mitgliederzahl in den letzten Jahren ist das Posaunenwerk in der EKvW ein Beweis für die Lebendigkeit des Bläserdienstes. Mehr als die Hälfte der 5.000 Bläserinnen und Bläser sind Jugendliche, darunter mit steigender Tendenz Mädchen.

Quelle: Wolfgang Schnabel, Geschichte der ev. Posaunenchorbewegung Westfalens, Beiträge zur Westfälischen Kirchengeschichte, Band 26, Bielefeld 2003, 2. Auflage 2004 / zusammengestellt von Dieter Mayer
Foto: Johannes Kuhlo vor dem Hoftheater in Hannover (S. 85)

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