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Geistliches Wort zum Rundschreiben 1/2011

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Röm 12,21

Liebe Bläserinnen und Bläser,

Was ist gut und was ist böse? Was für eine Frage? Das weiß doch jedes Kind, oder nicht? Also mal ehrlich: Wer eine gute Kinderstube hat oder gehabt hat, der weiß, was gut und böse ist. Das haben wir gelernt. Und warum gibt es dann so viel Böses auf der Welt? Warum gibt es so viele Menschen, die sich vom Bösen überwinden lassen? Ist das Böse denn so viel attraktiver als das Gute? Sich am Anfang eines neuen Jahres vorzunehmen, das Gute zu leben und das Böse zu meiden, ist sicherlich sehr lobenswert. Aber warum scheitern wir dabei immer wieder?
Der Jahresspruch erinnert mich an das erste Buch Mose, und zwar hier an die Geschichte vom Sündenfall. Da sagt die Schlange zu der Frau, die ganz sehnsüchtig auf die schöne Frucht am Baum der Erkenntnis schielt: Iss ruhig, ihr werdet nicht des Todes sterben, sondern ihr werdet sein wie Gott und werdet wissen, was gut und böse ist. Na, da haben wir es ja. Zu wissen, was gut und böse ist, ist kein Problem, aber dieses Wissen auch anzuwenden, da wird es dann wohl schwierig. Und so sagt der Apostel Paulus: "Das Gute, das ich will, das tue ich nicht, aber das Böse, das ich nicht will, das tue ich".
Es ist also die Frage der Umsetzung, die uns allen so viele Schwierigkeiten bereitet. Wir wissen alle, dass ein guter Posaunenchor nur dann gut musiziert, wenn alle Mitglieder zufrieden sind, wenn kein Neid und kein Streit da sind und jeder seinen Platz im Chor hat. Und doch kommt es immer mal wieder vor, dass es Ärger gibt. Und das führt zu Misstönen. Warum mische ich da mit und versuche nicht stattdessen zu schlichten?
Aber kann man das eigentlich erzwingen durch moralischen oder anderen Druck, dass ich das Böse mit Gutem überwinde. Ich denke nicht. Und das wollte der Apostel Paulus auch nicht. Ich denke vielmehr, er wollte unsere Blickrichtung ein wenig ändern. Schaut nicht immer nur auf euch und habt nicht dauernd Angst, dass ihr zu kurz kommt, schaut vielmehr auf den, der wirklich gut ist und darin für uns zum Vorbild geworden ist. Schaut auf Jesus. Hier könnt ihr sehen, wie man das Böse mit Gutem überwinden kann. Er ist für die Überwindung des Bösen bis an das Kreuz gegangen. Das können wir zwar nicht nachmachen, aber wir können uns an ihm orientieren. Und das ist ein guter Vorsatz für das Jahr 2011.


Peter Gräwe, Landesobmann im PWW