Andachten aus dem Posaunenwerkleer.gif (810 Byte)

 

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Nazareth
Trinitatis Psalm 91 / EG 396
Paul Gerhardt - Troubadour der Liebe
Laetare ,,Korn, das in die Erde''
Predigt ,,Nehmet einander an''

 

 

 

 

"Diese Predigt zum Thema "Nehmet einander an" wurde anlässlich der Einführung des neuen Landesobmanns Bernhard Silaschi unseres Posaunenwerkes in Bad Oeynhausen am 17.05.2003 von der Vertreterin des Landeskirchenamtes,Landeskirchenrätin Karin Moskon-Raschick, gehalten. Die Gedanken zu diesem Thema sind hilfreich und richtungsweisend auch für Jubiläen von Chören, Chorleitern und Bläsern."

Einführung des Landesobmanns des Posaunenwerkes in der Evangelische Kirche von Westfalen

Bernhard Silaschi
am 17. Mai 2003 in Bad Oeynhausen

 Liebe Festgemeinde,

 wenn einer geht und einer kommt, dann werden beiden in der Regel eine Fülle von guten Wünschen mit auf den Weg gegeben.

Für den, der geht, sind die Wünsche - für eine weniger arbeitsreiche und dennoch ausgefüllte Zeit - verbunden mit dem herzlichen Dank für alle geleistete Arbeit, für alles, was zum Guten hin bewegt und verändert werden konnte und für das geduldige Ertragen dessen, was nicht verändert werden konnte.

Für den, der kommt, werden die Wünsche für ein segensreiches Wirken in der Zukunft häufig verbunden mit ausgesprochenen und unausgesprochenen Erwartungen, manchmal unter Hinzufügung gut gemeinter Ermahnungen:

„Wir hoffen, dass du die Belange der Posaunenarbeit gewichtig und vehement innerhalb der Kirche und außerhalb der Kirche vertrittst.“

„Wir erwarten, dass du auch alle Interessen im Blick hast, aber lass dich nicht für ein Interesse vereinnahmen!“

„Kümmere dich bitte um die Einzelnen, aber verlier das Ganze nicht aus dem Auge!“

„Sei nicht parteiisch, sondern lass alle zu ihrem Recht kommen.“

„Du musst mit darauf achten, dass die geistliche wie die musikalische Richtung des Posaunenwerkes stimmt.“

„Leite die Sitzungen bitte einfühlsam, aber ergebnisorientiert; höre gut zu, aber lass dich zu nichts überreden.“ Usw. usw.

Solche Erwartungen und Ermahnungen sind gut gemeint und dort, wo Menschen unterschiedlicher Interessen und unterschiedlichen Temperamentes zusammen arbeiten, nicht ganz unberechtigt. Und wenn jemand ein Amt übernimmt, in dem er gleichermaßen leiten soll wie vermitteln, Aktivitäten koordinieren und Menschen integrieren, da können solche Ermahnungen auch sinnvoll und nützlich sein.

 Zu diesem Tenor fürsorglicher Ermahnungen passt fast nahtlos der Monatsspruch für den Monat Mai, der unmittelbar in unsere heutige Situation hinein zu sprechen scheint:

 „Nehmt einander an, gleichwie Christus euch angenommen hat, zum Lobe Gottes!“ (Röm 15,7)

 Paulus schreibt dieses Wort an die christliche Gemeinde in Rom. Aber er redet dort nicht nur eine einzelne Person an, etwa den Gemeindeleiter oder den Vorsitzenden der Gemeindevollversammlung, sondern alle Christen. Und Recht hat er damit, denn ob Zusammenarbeit gelingt und Gemeinschaft möglich wird, das hängt nicht von einer Person ab, sondern von allen Beteiligten. Es hängt davon ab, mit wie viel Achtung und Wertschätzung und Verständnis sie einander begegnen. Je unterschiedlicher eine Gruppe zusammengesetzt ist, desto schwieriger wird das allerdings.

 Die Christen in Rom sind eine bunt zusammengewürfelte Schar. Ehemalige Juden und ehemalige Heiden aus aller Herren Länder haben sich zur christlichen Gemeinde zusammen gefunden. Wie bei jedem Zusammengehen von sehr verschiedenen Menschen, erscheinen die Unterschiede zunächst einmal größer als die Gemeinsamkeiten. Das war damals in Rom auch so.

Da waren die Juden, die die ganze Tradition ihres Volkes mitbrachten, die Erfahrungen von Befreiung und von Bewahrung durch ihren Gott und die Wertschätzung des Gesetzes, der Weisungen Gottes, und da waren die vielen Regeln und Vorschriften, die ihren Alltag als Juden durchdrungen hatten und die zu ihrer Identität, wir würden heute vielleicht sagen, zu ihrem Profil gehörten: das Gebot zur Einhaltung des Sabbats, die Beschneidung, die Speisevorschriften. Sie waren Christen geworden, weil sie in Jesus den verheißenen Messias, den lang ersehnten Gesandten Gottes erkannt hatten und sie lebten ihren Glauben an ihn in Weiterführung ihres bisherigen Glaubens. Und sie sahen keinerlei Anlass, an der Praxis ihres Glaubens irgendetwas zu ändern.

Auf der anderen Seite waren da die Heiden. Sie hatten Jesus von Nazareth, seine Worte und Taten und vor allem seine Auferweckung als die große Befreiung erlebt. Er erlöste sie aus allen Ängsten, aus den Zwängen, die die heidnischen Gottheiten ihnen auferlegt hatten. Religiöse Praktiken, die dazu helfen sollten, die Götter geneigt zu stimmen, konnten nun abgelegt werden, sie mussten sich keinen Religionsgesetzen mehr unterordnen. Für sie bedeutete der Glaube an Jesus Christus die Freiheit schlechthin und sie wollten sich um keinen Preis nun neuen Regeln und Vorschriften unterwerfen.

 Diese beiden Gruppen, die man sich von ihrer Herkunft und ihrer Geschichte nicht unterschiedlich genug vorstellen kann, und die sich in der Vergangenheit nicht selten bekämpft hatten, bilden nun die eine christliche Gemeinde. Dabei bringen sie ihre unterschiedlichen Glaubens- und Lebensweisen mit ein. Da konnten Konflikte nicht ausbleiben.

Was für die einen ein hilfreiches Gesetz darstellte, hielten die anderen für schändliche Gesetzlichkeit. Wo die einen aus der Freiheit lebten, fürchteten die anderen Beliebigkeit und Unverbindlichkeit. Unverständnis und Fremdheit der Anschauungen führten schnell auch mal zum Streit und drohten vor allem ihren Zusammenhalt, ihre Gemeinschaft zu gefährden.

Darum hält es der Apostel Paulus für angebracht, den Christen in Rom ein Wort der Weisung zu sagen.

„Nehmt einander an...“ schreibt er nach Rom. Aber das ist leichter gesagt, als getan. Ja eigentlich ist es sogar unmöglich und Paulus, der kluge Menschenkenner, weiß dies. Er weiß, dass Zusammenarbeit und Gemeinschaft auch unter Christen immer vom Scheitern bedroht ist, trotz guten Willens und bester Absichten. Er weiß, dass wir das von uns aus nicht können, den anderen annehmen, so wie er ist, ihn wertschätzen trotz seiner Schwächen, ihn gelten lassen trotz seiner Andersartigkeit, ihm vertrauen trotz seiner Undurchschaubarkeit. Bevor wir so etwas fertigbringen, da müsste schon ein Wunder geschehen.

 Paulus sagt: Dieses Wunder ist geschehen, denn in Jesus Christus hat Gott euch so angenommen. In Jesus Christus ist für alle offenkundig geworden, wie sehr Gott die Menschen liebt und sie in Liebe annimmt.

 Und das ist schon ein Wunder, liebe Schwestern und Brüder, dass der große und allmächtige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde uns kleine, unvollkommene  Menschen lieben sollte und zwar jeden einzelnen und jede einzelne von uns! So lieben, dass er uns voller Verständnis und mit Wertschätzung ansieht, dass er das Gute bei uns findet und das Böse nicht anrechnet, dass er Gemeinschaft mit uns sucht und von seiner Seite so unverbrüchlich daran festhält, dass  selbst der Tod uns nicht scheiden kann.

Das ist schon ein Wunder: Gott nimmt uns an.

Bedingungslos.

Er sagt nicht: Ich habe dich lieb, weil du so engagiert bist, oder so kontaktfähig, so aufopferungsvoll oder so kreativ. Er sagt auch nicht: warum bist du so und nicht anders? So schweigsam und unzugänglich, so verbohrt und widerborstig, so gleichgültig und lieblos?

Er hat uns einfach voller Liebe angesehen und Ja zu uns gesagt. Nicht zu unserem Sonntagsgesicht, nicht zu dem, was wir sein sollten und könnten, sondern zu uns, wie wir tagtäglich sind:

Manchmal voller Fröhlichkeit und Offenheit, dann doch wieder so verletzbar und eingeigelt, die Fehler der anderen offenlegend und die eigenen für verzeihliche Schwächen haltend, so voller Fragen und Nöte und doch nach außen so sicher und unberührt auftretend. Gott hat dies alles zusammengefasst und in seinen Händen getragen. Er hat uns angenommen.

 Das Zusammengehen und die Gemeinschaft von ganz unterschiedlichen Menschen, auch von Christenmenschen, kann nur gelingen, wenn zuvor ein Wunder geschieht.

Dieses Wunder aber ist geschehen, sagt Paulus. Weil es dieses Wunder gibt, dass Gott uns aus lauter Liebe annimmt, dass er euch angenommen hat, darum könnt auch ihr einander annehmen.

Darum könnt ihr einander mit Wertschätzung begegnen. Darum könnt ihr bei den anderen Gaben und Begabungen entdecken und euch darüber freuen. Darum müssen eure unterschiedliche Herkunft, eure Interessen und eure Temperamente euch nicht trennen. Darum könnt ihr Verschiedenheiten als Bereicherung erleben, könnt euch ergänzen und euch gegenseitig in eurer Schwachheit aufhelfen. Darum könnt ihr eure Ecken und Kanten ertragen, eure eigenen und die der anderen. Darum könnt ihr einander vergeben und wieder neu anfangen.

 „Nehmt einander an, gleichwie Christus euch angenommen hat..“

 Muss man für eine Bläsergemeinde, wie sie heute hier versammelt ist, noch extra hinzufügen, dass selbst eine von gegenseitiger Annahme getragene Zusammenarbeit und eine in Christus gründende Gemeinschaft nicht ihren Sinn und Zweck in sich selber haben, sondern dass der sich erst im Gotteslob vollendet? Eigentlich muss man das nicht extra hinzufügen, aber gut und heilsam ist es, sich das immer wieder neu vor Augen zu führen und zu vergegenwärtigen.

Wo über alle Unterschiede hinweg sich Menschen zusammen finden zum Lobe Gottes, da weitet sich ihr Blick, da öffnet sich ihr Mund und sie werden hineingenommen in den Lobpreis Gottes, der sie vereinigt mit allen Heiligen, die im Himmel und auf Erden sind. Im Lobpreis Gottes vollendet sich der Auftrag der christlichen Gemeinschaft, darin findet sie ihren Grund und ihr Ziel.

Vom Lobpreis Gottes kommt sie her, von dort bekommt sie ihre Kraft und ihre Orientierung. Darin sind alle Unterschiede, alle Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen aufgehoben und fallen darum nicht mehr ins Gewicht. Gott loben, das kann man zwar vielstimmig, aber nur einmütig.

Auf den Lobpreis Gottes geht die christliche Gemeinde aber auch zu. Er ist das Ziel all ihres Tuns und Lassens ja mehr noch, er ist ihr ein Wegweiser zum Himmel. Denn im Gotteslob öffnet sich der Himmel und wir bekommen einen Vorgeschmack von Gottes Reich.

 Wenn einer geht und einer kommt, liebe Gemeinde, dann werden beiden in der Regel eine Fülle von guten Wünschen mit auf den Weg gegeben.

Für meine guten Wünsche leihe ich mir die Worte beim Apostel Paulus:

„Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander,...damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.

Darum nehmt einander an, gleichwie Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob!“