Jahreslosung 2019

(C) Peter Gräwe

Liebe Bläserinnen und Bläser,

zwei Kinder geben sich die Hände. Wer sie sind, das wissen wir nicht, was wir aber sehen ist, dass sie aus ganz unterschiedlichen Hintergründen kommen. Die eine Hand kommt aus dem Dunklen, die andere aus dem Hellen. Die Bereiche sind schroff gegeneinander abgegrenzt. Auch die Kleidung ist ganz unterschiedlich. Das Shirt des einen Kindes scheint ein wenig eleganter zu sein, während das andere Shirt wohl eher von einem Discounter stammt. Ein Kind hat unterschiedlich farbige Fingernägel, das andere hat einen rosa Nagellack benutzt.

Beide Kinder, vermutlich Mädchen, stehen hier stellvertretend für die Vielfalt der Menschen in unserem Land. Seit 2015 sind viele Flüchtlinge zu uns gekommen und versuchen nun, hier eine neue Heimat zu finden. Gleichzeitig aber ist der Hass ihnen gegenüber und braunes Gedankengut immer mehr gewachsen. Es gibt kaum ein Parlament, in dem die AfD mit ihren oft unerträglichen Parolen nicht vertreten ist.

Sucht den Frieden und jagt ihm nach, so der Jahresspruch für das Jahr 2019. Wie weit sind wir davon entfernt? Statt Frieden gibt es Ausgrenzung und Ablehnung, statt Integration – auch so ein großes Stichwort unserer Tage – gibt es „Ausländer raus“-Parolen. Wo fängt der Friede eigentlich an, den ich suchen und dem ich nachjagen soll? Und wo kommt das eigentlich her, das in wichtigen Staaten wie z. B. den USA Präsidenten an der Macht sind, die sich durch unmögliche Äußerungen bei Twitter und anderen Netzwerken hervortun, als für den Frieden auf der Welt zu sorgen. Sein „Amerika den Amerikanern“ trägt zum Frieden ebenso wenig bei, wie unsere heutigen AFD-Parolen in unserem Land. Wer im Herzen keinen Frieden hat, der kann ihn auch nach außen hin nicht erzeugen. Frieden beginnt immer und zuerst bei mir selber. Nur da, wo ich Frieden mit den Menschen habe, die mich umgeben, gleichgültig welcher Rasse, Nation und welchen Glaubens sie sind, nur da bin ich auch in der Lage, mich für den Frieden in der Welt einzusetzen.

Aber, noch einmal: Wie weit sind wir heute davon entfernt? Menschen hetzen aneinander vorbei, ohne sich wahrzunehmen. Was wird denn eigentlich aus denen, die da aus fernen Ländern zu uns gekommen sind? Wie viele sind das eigentlich? Besteht da überhaupt die Gefahr der Überfremdung? Oder gehen wir da alle immer wieder diesen Populisten auf den Leim, die uns eine Wahrheit verkaufen wollen, die es so gar nicht gibt?

Unser Gott ist ein Gott des Friedens und er will dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Und was das heißt, das macht uns Christus vor, da wo er zu uns kam, und für alle Menschen da war. Er heilte sowohl den blinden Bartimäus als auch die heidnische Frau, die den Saum seines Mantels berührte. Frieden gibt es nur da, wo wir den Frieden auch wollen.

Beide Mädchen fassen sich an den Händen, auch wenn sie noch so unterschiedlich sind, sie sind Freundinnen, vielleicht sogar beste Freundinnen. Da spielt es keine Rolle, welchen Hintergrund sie haben, ja nicht einmal der Nagellack ist mehr wichtig. Was zählt, ist der Mensch. Nur so kann man gemeinsam durch die Zeit gehen und den Frieden bewahren, wenn man, wie die beiden Mädchen, Hand in Hand durchs Leben geht, wo einer auf den anderen achtet und ihm respektvoll begegnet.

Mit unseren Instrumenten sind wir auch im Jahr 2019 unterwegs, um als Friedensboten die gute Nachricht in die Welt zu bringen. Und auch wir als Bläser können nur etwas ausrichten, wenn wir gemeinsam harmonisch miteinander spielen. Alleine klingt es nicht so gut, das erkennt schon jeder Jungbläser ganz am Anfang, nur gemeinsam sind wir stark. Auch wir müssen uns an die Hände nehmen und gemeinsam in Frieden miteinander umgehen, sonst gibt es keine Musik, sondern nur Chaos. Wir helfen unserem Gott des Friedens, sich in dieser Welt des Unfriedens durchzusetzen. In den viele Gottesdiensten und Auftritten, auch draußen im Freien, tragen wir seine Friedensbotschaft zu den Menschen. Eine wichtige und gerade heute große Aufgabe. Wer da keinen Frieden in sich selber hat und zerrissen und unausgeglichen ist, wird auch keinen Frieden verbreiten können. Also, fangen wir zunächst einmal bei uns selber an, den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen. Und ich bin sicher, dass das dann Kreise zieht und die Welt um uns herum so durch uns ein wenig friedvoller wird.

Dazu wünsche ich Euch allen im neuen Jahr viel Kraft, Geduld, Ausdauer und ganz viel Gottes Segen

Ihr

Peter Gräwe

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