Jahreslosung 2018

Liebe Bläserinnen und Bläser

Zu Beginn eines neuen Jahres blickt man gerne nach vorne und fragt sich, was denn wohl das neue Jahr so alles bringen wird. Was kommt da auf uns zu in diesem neuen Jahr 2018? Große Dinge, wie das Reformationsjahr, liegen ja bereits hinter uns, auch der Kirchentag macht in diesem Jahr eine Pause. Also ein eher ruhiges und besinnliches Jahr? Vielleicht.

Vielleicht aber auch nicht. Jetzt, wo ich diese Andacht schreibe, ist gerade im politischen Bereich die Jamaika Regierung den Bach heruntergegangen und alles schreit nach einer großen Koalition. Tatsache ist, dass es zu diesem Zeitpunkt noch keine Regierung gibt. Voller Schrecken blicken wir auf die Terrorakte des letzten Jahres und fragen uns mit bangem Herzen, wie das jetzt weitergeht. Wir befinden uns immer noch im Krieg gegen den IS und allem anderen Fanatismus. Und wie dieser Krieg ausgeht und wer den gewinnt, weiß keiner. Hier sehen wir mit Grauen in eine ungewisse Zukunft.

Gut sieht es auch nicht im kirchlichen Bereich aus. Der Gemeindegliederschwund nimmt immer mehr zu. Immer mehr Gemeinden müssen fusionieren, weil sie alleine finanziell nicht mehr lebensfähig sind. Aber wenn Not Elend heiratet, gibt das noch lange keinen Reichtum. Auch unser Posaunenwerk steht auf dem Prüfstand, so wie alle landeskirchlichen Einrichtungen. Was kommt da auf uns zu? Wie müssen wir uns in Zukunft definieren. Und so bleibt alles im Ungewissen. Und das bedeutet, dass es da die Pessimisten gibt, die alles noch viel schlimmer sehen, als es jetzt schon ist und auch die Optimisten, die alles zu neuen Ufern aufbrechen sehen.

Zukunftsprognosen sind immer schwierig, denn oft kommt es ganz anders als man denkt. Entscheidend bei alle dem ist aber nicht, wie ich die Situation jeweils einschätze, ob ich alles zum besseren oder schlechteren hin tendieren sehe, sondern auf welcher Basis ich das Leben und damit auch die Zukunft einschätze. Ist alles nur Zufall oder liegt das Schicksal dieser Welt und die Zukunft unseres Lebens in den Händen einiger Weniger oft machtbesessener Herrscher, die selbst vor Atomwaffen nicht zurückscheuen?

Und genau bei dieser Frage kann uns unser diesjähriger Jahresspruch helfen. Er stammt aus dem letzten Buch der Bibel, einem Buch im wahrsten Sinne mit sieben Siegeln. Die Visionen des Sehers Johannes sind verwirrend und erschreckend. Und sicherlich hatte er die damalige politische und gesellschaftliche Welt vor Augen, als er so in die Zukunft sah. Viele Menschen litten damals unter einem herrschsüchtigen Regime, das alles aus dem Weg räumte, was sich ihm entgegenstellte. Und dazu gehörte auch der Seher Johannes selbst. Doch nach allen den Schreckensszenarien, die er hier in diesem Buch aufbaut, steht am Ende seines Buches eine ganz andere Zukunftshoffnung. Er sieht das neue Jerusalem, eine Stadt, die aus den Wolken niederkommt und in der der ewige Frieden herrscht. Hier wohnt Gott und mit ihm alle, die diese Schrecken ihrer Zeit überwunden haben. Es gibt hier keinen Krieg mehr und keine Tränen und keinen Schmerz. Was für eine wunderbare Vision. Alles wird am Ende gut, weil Gott es selber so will.

Das klingt zuerst nach Vertröstung, nach einem sich Hineinträumen in eine irreale Welt. Aber damit würde man dem Seher Unrecht tun. Er spricht hier von der Quelle des Lebens, die im neuen Jerusalem entspringt und die den Durst nach Leben stillt. Mich erinnert das an das Gespräch Jesu mit der samaritanischen Frau, die von ihm Wasser des Lebens will, dass nur er ihr geben kann und will. Die Basis für unsere Zukunft ist damit klar, sie ist das Kommen Jesu in unsere Welt. Er ist der Garant dafür, dass es am Ende gut für uns wird. Er ist die Quelle des Lebens, an die wir uns schon jetzt anschließen können.

Und was bedeutet das? Sicherlich nicht ein oberflächliches: Das wird schon wieder. Das ist nicht gemeint. Die Mächte dieser Welt sind so bedrohlich wie damals zur Zeit des römischen Reiches auch. Politische Verantwortung zu übernehmen, sich um den Frieden zu kümmern und um gerechte Lebensumstände aller Menschen ist und bleibt unsere Aufgabe auch in diesem neuen Jahr. Und auch in diesem neuen Jahr wird es so manche Rückschläge geben und Tränen werden weiter fließen. Das ist grausam und ungerecht. Aber das Leben, das aus dieser Quelle fließt, an die wir angeschlossen sind, wird uns die Welt nicht nehmen können. Und deshalb können wir uns mit unserer Kraft einsetzten für Gerechtigkeit und Leben für alle Menschen.

Und hier denke ich vor allem an die verfolgten Christen in vielen Teilen dieser Welt. Sie brauchen unsere Hilfe und unser Gebet. Mit unseren Instrumenten können wir uns laut dafür einsetzen, dass die Quelle des Lebens allen Durst stillt. Jeder Choral, den wir blasen ist ein Zeichen für diese Quelle, aus der das Wasser des Lebens unaufhörlich fließt.

In diesem Sinn wünsche ich uns allen ein gesegnetes neues Jahr 2018.

Euer

Peter Gräwe

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