Gedanken zum Sonntag Exaudi

15.05.2021

Gedanken zum Sonntag Exaudi

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.     

Joh. 12,32

Liebe Schwestern und Brüder!

Exaudi! So heißt dieser heutige Sonntag. Und es ist ein merkwürdiger Sonntag. Er ist so „dazwischen“. Er befindet sich genau zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Wo blickt er hin? Sieht er zurück auf die Himmelfahrt Christi oder schon voraus auf die Ausgießung des heiligen Geistes? Genau in dieser Spannung befanden sich auch die Jünger damals. Auf der einen Seite haben sie miterleben dürfen, wie ihr Herr und Meister vor ihren Augen in den Himmel gehoben wurde und sich so ihren Zugriff entzog. Das löste bei ihnen ein Gefühl des „Verlassen-seins“ aus. Was kommt denn jetzt? Wie geht es weiter so alleine? Das waren quälende Frage. Auf der anderen Seite hatten sie die Verheißung ihres Herrn, dass er ihnen den Tröster den Parakleten senden will, der sie führt, leitet und tröstet. Aber noch war davon nichts zu sehen. Wie kann man den eigentlich erkennen? Spürt man es, wenn er kommt? Statt freudiger Erregung überfiel diese armen Jünger eher Verzweiflung und ungelöste Probleme.

Exaudi! Der Name dieses Sonntags ist abgeleitet aus dem 27. Psalm, wo es in Vers 7 heißt: „Höre ( exaudi ) meine Stimme, wenn ich rufe. Auch hier in diesem Fall wieder das Gefühl eines Menschen, allein und verlassen zu sein. Doch in allen Fragen und allem verzweifelten vor und zurückblicken wendet sich der Beter, genauso wie wohl auch damals die Jünger, an Gott. Allein bei ihm findet er Heil und Rettung in den großen und kleinen Fragen des Lebens. Das Gefühl, allein und verlassen zu sein, nicht mehr zu wissen, wie es weitergehen soll, ein Leben so zu sagen zwischen Baum und Borke, das kennen viele auch heute noch. Gerade in unseren unruhigen Zeiten, wo so vieles der Krise geopfert werden muss, ist dieses Gefühl sehr virulent. Man hat so den Eindruck, als würde man zur Zeit verzweifelt versuchen, das rettende Ufer zu erreichen. Wer die Zeit bis hierher überlebt hat, der will jetzt auch nicht aufgeben, der baut wieder auf Hoffnung, wenn, hoffentlich, alles wieder normal wird. Und auf der anderen Seite ist da immer noch die Angst, das alles wieder umschlagen kann, dass neue Virusmutationen auftreten, die unser Leben wieder zurückwerfen. Alles das sind keine guten Gefühle. Ich mag es überhaupt nicht, so „dazwischen“ zu sein. Und ich denke, mit diesem Gefühl bin ich nicht alleine.

Unser Wochenspruch will uns da alle ein wenig trösten. Jesus sagt diese Worte hier zu denen, die nicht glauben können, dass der Messias den Weg des Kreuzes gehen muss, um uns Menschen zu erlösen. Helden sind anders, groß und stark und nicht schwach und hilflos. So die Meinung der Menschen nicht nur damals. Interessant finde ich hier die Wortwahl. Jesus sagt nicht einfach: Wenn ich gekreuzigt oder sterben werde, er benutzt das Wort „erhöht“. Erhöht wurde damals nicht allein der, den man an das Kreuz hoch oben auf dem Berg Golgatha hängte, wo er dann elendig starb, erhöht wurden auch Könige und Herrscher, die man auf einen Thron setzte, der über allem Volk stand als Zeichen der Herrschaft und Macht.

Ich denke, diese Wortwahl ist hier nicht von ungefähr. Denn beides ist gemeint. Auf der einen Seite muss dieser Christus sterben, um die Welt zu erlösen, auf der anderen Seite ist genau das der Weg, um allen Hass, alle Gewalt und allen Widerstand zu überwinden. Nicht der Krieg, der Tod und die Gewalt werden die Zeiten überleben, sondern allein die Liebe, die in der Schwachheit dieses Menschensohnes deutlich wird. Das ist das Neue, auf das wir zugehen und von dem wir herkommen. Es ist wie ein großer Strom, der sich vom Kreuz Christi, von seiner Erhöhung ausbreitet bis zu uns, der immer mehr Gestalt annimmt in Gruppen wie z.B. der Bewegung Friday for future oder den vielen Bewegungen zur Bewahrung der Schöpfung. Und zum Klimawandel. In seiner Erhöhung hat Christus es vorgemacht, was am Ende zählt und in diese Bewegung will er uns alle mit hineinnehmen.

Kann das helfen in dieser „Zwischenzeit“ an diesem Sonntag Exaudi? Ich denke schon, macht doch gerade diese Spannung deutlich, dass wir uns in einer Umbruchzeit befinden. Wir gehen auf etwas Neues zu, dass durch den Geist Gottes zu Pfingsten Gestalt gewinnt und stecken doch immer wieder noch im Alten fest, das uns bindet und beherrschen will. Jesus sagt: Da ziehe ich euch raus. Ich nehme euch mit in meine Erhöhung, denn ihr gehört zu mir und nicht zu den Gewalten dieser Welt. Glauben wir ihm und folgen wir seinen Worten.

Und nun wünsche ich euch allen eine gute Woche und: bleibt alle gesund.

Euer P. Gräwe