Gedanken zum Sonntag Quasimodogeniti

10.04.2021

Gedanken zum Sonntag Quasimodogeniti

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten                                                       1. Petr. 1,3

Liebe Schwestern und Brüder!

Quasimodogeniti! So heißt schon von alters her dieser erste Sonntag nach Ostern. Was für ein komischer Name. Kein Wunder, dass sich die Konfirmanden so einen Sonntag nicht merken können. Das war schon zu meiner Zeit so und wird jetzt nicht anders sein. Aber mal ehrlich, wer von uns Erwachsenen kann sich unter diesem Namen etwas vorstellen? Übersetzt heißt das Wort übrigens: „Wie die neugeborenen Kinder“. Hilft das weiter?

 

Nun, ich denke, jeder von uns kennt das Gefühl, wie neugeboren zu sein. Nach einem total stressfreien und erholsamen Urlaub, kommt man voller Tatendrang wieder nach Hause und fühlt sich wie neu geboren. Ebenso ergeht es uns nach einer Kur oder aber auch nach einer überstandenen Krise, etwa einer Krankheit oder nach einem Krach in der Partnerschaft. Wenn dann alles wieder gut ist, dann fühlt man sich eben auch wie neu geboren. Ein Gefühl, dass einfach großartig ist und aus uns quasi einen neuen Menschen macht. Alle, was uns beschwert hat, fällt ab, Bedrückendes, Schmerzhaftes, Belastendes ist einfach weg. Ach, wäre das schön, wenn man so ein Gefühl dauerhaft und nachhaltig konservieren könnte.

 

Ich denke, genau so haben sich damals zur Zeit des 1. Petrusbriefes die Menschen in den ersten Gemeinden gefühlt. Die Auferstehung Jesu war schon lange vorbei und das alltägliche Leben hatte längst Einzug gehalten. Und damit waren all die Sorgen und Nöte wieder da, die diese Menschen schon immer bedrück hatten. Hinzu kamen die Anfeindungen eines heidnischen Umfeldes. Man begann zu zweifeln, das Feuer des Glaubens begann zu erlöschen. Ja, man glaubte an die Auferstehung Ja, und doch war man neidisch auf die, die Jesus noch gesehen haben nach seiner Kreuzigung. Wo ist er denn nun? Wo erleben wir ihn als den Auferstandenen? Und vor allem, was bewirkt das alles für uns? Ja, er lebt, und wir? Wir vegetieren hier so vor uns hin.

Nicht wahr, solche Gefühle und Gedanken, die kennen wir auch zu genüge. Gerade noch haben wir Ostern gefeiert, zwar nicht so, wie wir es uns gewünscht hätten, weil wir immer noch vorsichtig sein müssen, damit wir uns nicht anstecken, und doch leuchtete auch in diesem Jahr die Botschaft der Auferstehung hell und klar. Viele Bläserinnen und Bläser haben da, wo es möglich war, das „Christ ist erstanden“ am Ostermorgen in die Welt geblasen. Und heute? So eine Woche nach dem Fest, ist Ostern, wie viele andere Feste im Kirchenjahr auch, wieder abgehakt. Unsere gesamte Konzentration richtet sich wieder auf die Pandemie und ihre Folgen. Und da sind sie dann wieder, die alten Sorgen und Nöte, bei den Geschäftsleuten, bei den Restaurantbesitzern, bei Ärzten und Pflegern und in der Politik.

Was bleibt da übrig von der großen Osterfreude. Ja, und wie neugeboren, fühlt sich heute auch kaum noch einer.

Der Apostel, der den 1. Petrusbrief verfasst hat, aus dem auch unser Wochenspruch stammt, will uns dieses Gefühl wieder zurückbringen, und zwar als ein nachhaltiges Gefühl. Und dazu schaut er nicht in diese Welt, sondern er verbindet unsere Nöte und Sorgen mit dem, was Gott für uns in der Auferstehung Jesu getan hat. Die Auferstehung Jesu war kein Selbstzweck, kein Ereignis, auf das wir zurückblicken und es als historisch echt oder auch nicht betrachten können. Es ist eine Tat Gottes für uns. „Zu einer lebendigen Hoffnung“

für uns, hat er ihn erweckt. Damit wir in den Zeiten, in denen wir aus uns heraus keine Hoffnung mehr haben können dennoch Hoffnung schöpfen dürfen, weil Gott das Leben über den Tot gestellt hat. Viele fragen heute, so nach mehr als einem Jahr, ob unser Leben jemals wieder normal wird. Werden wir irgendwann einmal wieder die Masken im öffentlichen Verkehr ablegen können? Viele haben da ihre Hoffnung verloren. Auferstehung bedeutet da aber, dass bei Gott nichts unmöglich ist, aber auch, dass er uns liebt uns unser Leben will. Der Apostel spricht, wenn er auf die Auferstehung Christi blickt von unaussprechlicher Freude, die zu uns kommen wird, wenn wir uns auf diese Hoffnung einlassen. Ostern hat alles verändert, auch unser Leben. Ich bin sicher und habe große Hoffnung, dass wir dieses Tal überwinden werden. Ein wenig Geduld brauchen wir noch, aber wir haben ja die Auferstehung Jesu. Wir haben ja Ostern. Besseres kann uns nicht passieren.

Und nun wünsche ich euch allen eine gut Woche und: bleibt alle gesund.

Euer P. Gräwe