Gedanken zum Sonntag Oculi

06.03.2021

Gedanken zum Sonntag Oculi

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.  Lukas 9.62

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich möchte mich heute unserem Wochenspruch über die Bedeutung des Sonntags Okuli nähern. Wenn man das Wort Okuli übersetzt, dann bedeutet es „meine Augen“ und stammt aus Psalm 25, 15. Ein Mensch, in äußerster Not, ringt mit seinem Gott und bittet ihn in seiner Bedrängnis um Hilfe. Was für eine Problem er hatte, wird nicht gesagt, aber wahrscheinlich hatte er bestimmte Konflikte mit seinen Mitmenschen auszuhalten. Letztendlich ist das auch egal. Was viel wichtiger ist, ist die Art und Weise, wie er mit seinen Sorgen umgeht. Er rechtfertigt sich nicht selber, sondern sieht ganz nüchtern in den Spiegel seiner Selbst. Und er sieht darin einen Sünder, der viel von dem verschuldet hat, was er jetzt zu leiden hat. Er pocht auch nicht auf seine Stärke oder auf sein Recht, er wendet sich stattdessen an den, der ihm helfen kann, an Gott selber. Nur dazu ist es nötig, in seiner gesamten Existenz Gott nicht aus dem Blick zu verlieren. „Meine Augen sehen stets auf den Herrn“, das klingt bestimmt, eindeutig und auch ein wenig trotzig, frei nach dem Motto: Lasst die anderen hinsehen, wohin sie wollen, ich blicke allein auf Gott.

Und damit nähern wir uns unserem Wochenspruch, den man ja leicht, beim ersten Lesen, als eine Warnung, oder noch schlimmer, als eine Drohung verstehen kann. Aber ich denke das wollen die Worte Jesu hier nicht sein. Er versteht sie eher als eine Einladung zu einer anderen Sicht auf die Dinge des Lebens. Und damit sind seine Worte eher hilfreich als bedrohlich.

Anhand eines Bildes aus dem Ackerbau, das damals jeder kannte, macht er den Menschen damals deutlich, worauf es ankommt, wenn es einerseits um Nachfolge, andererseits aber auch um Hilfe geht. Was geschieht, wenn der Bauer beim Pflügen seines Ackers nicht nach vorne sieht, sondern sich ständig umschaut? Nun, ganz einfach. Die Furchen, die er zieht werden krumm und schief und damit verschenkt er wertvolles Ackerland. Übertragen bedeutet das aber doch: Wer immer nur an Altem festhält, immer nur auf das blickt, was war und worauf man in meinem Leben stolz sein kann und allein darauf vertraut, der verliert das Ziel aus den Augen und dessen Lebenslinien werden krumm und schief. Aber was das Alte? Und was ist das Ziel? Für den Bauern ist das einfach: Das, was war, ist die schon fertige Furche und das Ziel ist die andere Seite des Ackers. Und im Leben? Nun, ich denke, das, was war, ist bei jedem anders. Der eine vertraut seinen eigenen Fähigkeiten, seinem Verstand und seinem Können. Ein anderer pocht auf die Tradition. Was immer schon gut war, kann nicht plötzlich schlecht sein. Und wieder ein anderer sieht die Zukunft allein auf der Basis von Prognosen, die sich aus dem, was war, speisen. Wir merken schon, wir sind mitten drin im Geschehen.

Was gibt es da nicht heute in unserer Krisenzeit alles für Lösungsansätze. Da gibt es die Statistiker, die anhand vorhandener Daten das Ende – oder das weitere Fortschreiten der Krise – voraussehen wollen. Andere dagegen vertrauen auf die Wissenschaft und die Technik, die sich immer weiterentwickelt. Die Dritten sehen auf die gute alte Zeit, in der sowieso immer alles besser war. Und was bringt das alles? Das hin und her und das Chaos, das auch in der zurückliegenden Woche wieder herrschte, spricht da eine eigene Sprache. Keiner weiß Bescheid, wie es weitergehen soll. Aber um das auch noch einmal zu betonen, es geht hier nicht um Weltflucht, nicht darum, alle Bemühungen als glatten Unsinn abzutun, nein es geht um das Ziel. Und was ist das Ziel? Für den Psalmbeter ging es um Hilfe in Angst und Not. Und Jesus ging es das Wohl der Menschen, um eine Welt, in der Gott herrscht und es allen gut geht. Das war der Weg, den er beschritt und ihm darin zu folgen, darum ging es ihm, um des Menschen Willen.

Und was heißt das jetzt? Ja, unsere Bemühungen und Anstrengungen mit allen Mittel aus dieser Pandemie herauszukommen, sind gut und wichtig, aber das Ziel, das Heil und die Heilung unserer Welt liegt in Gottes Hand und darauf sollten wir bauen und sehen. Auch unsere Augen dürfen stets auf den Herrn sehen, denn er ist längst auf dem Weg, um uns zu helfen. Das ist das Ziel und wenn wir darauf sehen, werden unsere Lebenslinien nicht krumm und schief. Dann gibt es echte Hoffnung und eine Zukunft, die in Gottes Hand liegt.

Und nun wünsche ich euch allen eine gute Woche und: bleibt alle gesund.

 Euer P. Gräwe