Gedanken zum 3. Sonntag nach Epiphanias

23.01.2021

Gedanken zum 3. Sonntag nach Epiphanias

Es werden kommen von Osten und Westen, von Norden und von Süden, die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes.  Lk. 13,29

Liebe Schwestern und Brüder!

Dieser Wochenspruch steht, wenn man so will, unter dem Oberthema: Ihr werdet euch noch Wundern oder: Täuscht euch nicht, wer sich zu sicher ist, der wird sein blaues Wunder erleben. Das klingt ein wenig wie eine Drohung, oder besser, wie eine Warnung. Und in der Tat erleben wir Jesus hier durchaus aufgebracht. Er war auf dem Weg nach Jerusalem und viele folgten ihm. Einer aber fragte ihn: Meister, meinst du, dass nur wenige selig werden? Darauf anteortet Jesus mit dem Bild der engen Pforte und dem des Hausherrn, der sein Haus abgeschlossen hat und anscheinend bekannte Gäste wollen noch rein, doch der Hausherr sagt: Ich kenne euch nicht. Die Worte sind hart und richten sich gegen eine Heilsgewissheit, die davon ausgeht, dass ja eigentlich nichts passieren kann. Hier richtet er seine Worte gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Die waren davon überzeugt, dass sie in das Reich Gottes kommen, denn sie waren doch so fromme und gehörten zu Gottes auserwähltem Volk. Vertut euch nicht, Gott hat andere Kriterien, nach denen er urteilt. Die enge Pforte, das ist der beschwerliche Weg, der Weg, der immer wieder neu gesucht werden muss und auf dem so manche Steine liegen. Selbstlosigkeit, das Denken vom anderen her, Solidarität mit den Ärmsten, Hilfestellung für die, die nicht mehr weiterkönnen, all das gehört zur engen Pforte. Einen Automatismus, der sofort ins Reich Gottes führt, gibt es nicht. Ihr werdet euch wundern, wer am Ende alles dazugehört und wer nicht. Aus allen Himmelrichtungen kommen die, die durch die enge Pforte gegangen sind und die gegen Egoismus und Hass, gegen Gewalt und Machtstreben die Liebe gesetzt haben. Wenn ich so die Worte Jesu höre, dann kommt mir unsere heutige Flüchtlingspolitik in den Sinn, die wegen der Coronakrise nur noch ganz am Rande eine Rolle zu spielen scheint. Wie viele Menschen sind da aus ihren Heimatländern aufgebrochen, weil sie dort nicht mehr leben konnten, aus welchen Gründen auch immer. Und all diese Menschen stehen nun vor den Toren der Welt, in denen die Menschen besser leben können. Und was geschieht hier mit ihnen? Eingepfercht in Lager, wo es am Nötigsten fehlt, auf überfüllten Booten im Meer, an errichteten Mauern lassen sie ihr Leben. Mir kommen die Bilder aus dem Fernsehen in den Sinn, wo diese Menschen gegen den Widerstand des Militärs und der Polizei anrennen, verprügelt, gefoltert und eingesperrt werden. Keiner will etwas abgeben von seinem Reichtum, niemand will teilen und deshalb müssen die Flüchtlinge weg, sie soll doch zuhause bleiben. Ich erinnere mich da an meine Arbeit in den letzten Jahren mit eben diesen Flüchtlingen. Sie kamen aus dem Iran, Afghanistan, aus dem Libanon und dem Irak. Zum Teil fromme Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden und nun hier eine Heimat suchten. Und wie schwer hatten es diese Menschen oft, hier Fuß zu fassen. Sie konnten die Sprache nicht, waren mit der Bürokratie hier total überfordert. Und kaum einer war bereit, ihnen zu helfen. Da wurden Familien auseinandergerissen, weil ein Teil den Asylantrag genehmigt bekommen hatte, der andere Teil aber nicht. Ganze Tragödien spielten sich da ab. Und immer wieder spürte ich, wie gut es uns doch hier geht und wie gleichgültig man mit den „anderen“ umging. Vertut euch nicht, sagt Jesus. Einen Automatismus für das Reich Gottes gibt es nicht. Die enge Pforte entscheidet, die Bereitschaft zur Nachfolge in seinem Sinn. In unseren schweren Zeiten, wo jeder so viele Bedrängnisse auf sich nehmen muss, weil diese Pandemie uns nicht aus ihrem Würgegriff entlässt, ist es um so wichtiger, die nicht aus dem Blick geraten zu lassen, denen es noch schlechter geht. Vielleicht sollte in dieser Woche jeder von uns einmal ein wenig hinschauen, wo solche Menschen in unserer Umgebung leben, in welchen Umständen sie leben und was wir für sie tun können. Ich denke, da wird uns so einiges auffallen. Und da, wo wir Corona bedingt nichts tun können, können wir wenigsten für diese Menschen beten. Aus allen Himmelsrichtungen werden die kommen, die in das Reich Gottes eingehen, nämlich, die, die den Weg durch die enge Pforte gewählt haben und die eigene Komfortzone bereit sind zu verlassen,

 

In diesem Sinn wünsche ich euch allen eine gute Woche und: bleibt alle gesund.

 Euer P. Gräwe