Gedanken zum ersten Advent

28.11.2020

Gedanken zum ersten Advent

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.                   Sach. 9,9b

Liebe Schwestern und Brüder!

„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt“, so heißt es nun endlich wieder. Die schönste Zeit im Jahr, die Adventszeit ist angebrochen. Doch, worauf sich alle so gefreut haben, fällt in diesem Jahr wohl oder übel aus. Kein Weihnachtsmarkt, kein größter Tannenbaum der Welt, kein Glühwein draußen in der Kälte nach getätigten Weihnachtseinkäufen, kein Glitzerschein, nichts von dem, was sonst zu dieser doch so stimmungsvollen Zeit dazu gehört, findet in diesem Jahr statt. Alles fällt der Coronakrise zum Opfer. So eine schlimme Adventszeit hat wohl keiner von  uns je erlebt. Auf der anderen Seite sehe ich diese Zeit auch als eine Chance. Das hört sich vielleicht jetzt etwas sarkastisch an, ist aber ernst gemeint. Sicher: Für die Menschen, die gerade in dieser Zeit wieder näher zusammenrücken, aber auch für uns Bläser, die auf den vielen Weihnachtmärkten und beim Kurrende blasen so viel Adventsfreude verbreitet haben, ist es schwer geworden. Wer darf denn nun wen besuchen? Wie viele Menschen aus unterschiedlichen Familien dürfen sich treffen? Dürfen wir überhaupt draußen blasen? Und wenn ja, mit wie vielen Bläsern? Alles Fragen, die zur Zeit, da ich diese Andacht schreibe, noch nicht klar sind. Wir zittern und hoffen, dass es dann doch nicht so schlimm wird. Aber was soll man tun, Gesundheit geht halt vor, auch wenn viel das leugnen. Andererseits ist das ja auch einmal eine Gelegenheit über die Bedeutung von Advent nachzudenken. Für uns heute ist die Adventszeit oft eine hektische Zeit. Ein Amtsbruder von mir hat einmal dazu gesagt: Man hetzt von Besinnung zu Besinnung. Und dabei ist die Adventszeit eigentlich früher einmal eine Bußzeit gewesen. Gerade die Adventzeit forderte die Menschen auf, darüber nachzudenken, was das Kommen Christi in diese Welt für eine Bedeutung für uns hat. Dabei hatten die einzelnen Adventssonntag jeweils ihr eigenes Thema. Der 1. Advent stand da für das „Gekommen sein“ Christi in unsere Welt. Der Wochenspruch erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, der Wochenspsalm 24 unterstützt diesen Gedanken mit dem Ruf: Machet die Tore weit, der dann in dem Lied Macht hoch die Tür wieder aufgenommen wurde. Es geht also an diesem 1. Advent – die anderen Adventssonntag nehmen ich in den folgenden Wochen auf – um das Kommen Christi als der Sohn Gottes und doch so ganz anders ist als ein König weltlicher Natur. Er reitet auf einem Esel, nicht auf einem Prachtross, er ist arm und demütig, nicht herrschaftliche und despotisch. Er erfüllt die Erwartungen der Menschen damals, die am Straßenrand standen und Hosianna schrien nicht. Und auch wir hätten ihn liebere als einen, der all unsere Sorgen einfach wegfegt, so wie eben die Coronakrise oder so manche Behinderung, den Klimawandel und das Flüchtlingselend. Aber so ist er nicht. Er ist eher der „mit leidende“ Er schwebt nicht über den Dingen, sondern er ist der, der mit uns zusammen in unserem Leben ist und für und da ist. Und darum geht es in der Adventszeit. Es geht nicht um ein bisschen Stimmung, um Geschenke, um Glühwein und alles das, was uns den wahren Blicke auf diese Zeit verschleiert, so dass heute kaum noch einer weiß, was wir denn da eigentlich feiern. Wir besinnen uns auf den, der zu uns gekommen ist, der uns versteht und mitten in den Krisen dieser Welt an unserer Seite steht und am Ende alles zum Guten wendet. Aber das ist nächst Woche dran.

In diesem Sinn wünsche ich euch allen eine gute Woche, und bitte, bleibt alle gesund.

 Euer

 P. Gräwe