Gedanken zum 19. Sonntag nach Trinitatis

17.10.2020

Gedanken zum 19. Sonntag nach Trinitatis

Heile Du mich, Herr, so werde ich heil; hilf Du mir, so ist mir geholfen.                              Jer. 17,14

Liebe Schwestern und Brüder!

Das Gebet des Propheten Jeremia ist gleichsam ein Schrei in äußerster Not. Jeremia wird wegen seiner Gerichtsankündigungen verfolgt, man trachtet ihm nach dem Leben, obwohl er doch nichts anderes getan hat, als das Wort Gottes, das er ihm in den Mund gelegt hat weiterzugeben. Die Zustände im alten Israel müssen katastrophal gewesen sein. Statt Recht und Gerechtigkeit schien es nur Korruption und Ungerechtigkeit gegeben zu haben. Das Gericht Gottes kam zwangsläufig. Und doch schreit Jeremia zu Gott um Hilfe, zu dem also, von dem das kommende Gericht zu erwarten war. Heile Du mich Herr, hilf Du mir, das wird dann so auch zu unserem Schrei in unserer Zeit. Die Infektionszahlen sind sprunghaft angestiegen und kein Ende ist in Sicht. Über geeignete Maßnahmen ist man sich nicht einig. Nutzt ein Mund und Nasenschutz? Und wenn ja, wo? Auch draußen oder nur in geschlossenen Räumen? Wie viele Menschen dürfen an einem Ort zusammenkommen? Und wie lange müssen wir das alles noch aushalten? Gibt er überhaupt Hoffnung oder sieht die Welt von Morgen so aus, wie sie jetzt aussieht. Man darf sich nicht mehr nahe kommen, sich nicht umarmen, man darf nicht mehr in Chören zusammen singen, das Musizieren wird zur Unmöglichkeit. Mit Schrecken denken Presbyterien und Pfarrer schon an Weihnachten. Wie sollen wir das Fest in diesem Jahr feiern? Ratlosigkeit, Verbitterung und auch Verzweiflung kennzeichnen unsere Tage. Die Wirtschaft ist so stark abgesunken, wie noch nie in unserem Land seit dem 2, Weltkrieg. Wie soll das weitergehen? Vor allem Musiker und Künstler, aber auch Gastronomen und Freischaffende sind besonders betroffen und fürchten um ihre Existenz. Und so langsam sind die Menschen nicht mehr bereit, das alles so hinzunehmen. Demonstrationen gegen die „Coronalüge“ treten vermehrt auf. Und gleichzeitig steigen die Zahlen der Neuinfizierten immer weiter. Heile Du mich Herr, so schreit Jeremia im Namen seines Volkes  und damit wendet sich das Volk dann doch, weil ihm eben nichts anderes übrig bleibt, an den ihm fremd gewordenen Gott. Ist das auch unser Weg?  Auf die Frage, wann denn endlich ein Serum oder Impfstoff gegen das Virus herauskommt, erntet man nur ein Kopfschütteln und Achselzucken. Keiner weiß es. Am forscht unermüdlich, aber Ergebnisse bleiben letztendlich aus. Jeremia wendet sich an Gott. Er weiß dass er der einzige ist, der aus der Krise helfen kann. Seine Gebete werden zu Schreien in dunklen Tälern. Gott hört, das weiß er, aber er tut nicht das, was er von ihm erwartet wird. Und das macht ihn wahnsinnig. Wir Christen glauben an den heiligen Geist als den einzigen Tröster, den uns Jesus bei seinem Weggang verheißen hat. Dieser Nothelfer wohnt in unseren Herzen und hält uns mit Gott verbunden. Er sagt uns immer wieder, dass Gott da ist, das er hört und das wir ihm nicht gleichgültig sind. Aber er sagt uns auch, dass Gott nicht der Erfüllungsgehilfe unserer Wünsche ist. „Nicht wie ich will, sondern wie du willst“, so betet Jesus vor seinem Tod und damit legt er sein ganzes Leben in Gottes Hände. Ja, er hilft, er verlässt ihn nicht, aber der Weg führt ihn durch das Kreuz und den Tod. Damit wir leben, ist er gestorben. Das ist für uns die Basis, auf der unsere Hoffnung stehen darf. Mögen die Zeiten auch schlecht sein und die Aussichten finster, das eine bleibt: Immanuel: Gott mit uns. Heile du mich, Herr, dann bin ich heil, hilf du mir, dann ist mir geholfen. Darauf dürfen wir uns verlassen, gerade jtzt in diesen dunklen Zeiten.           

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine schöne und gesegnete Woche.     

Euer P. Gräwe