Gedanken zum 8. Sonntag nach Trinitatis

01.08.2020

Gedanken zum 8. Sonntag nach Trinitatis

Gedanken zum Wochenspruch für den 8. Sonntag nach Trinitatis

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit

Liebe Schwestern und Brüder!

Wieder ein Wochenspruch aus dem Epheserbrief. Wir erinnern uns. Dieser Brief eines uns heute unbekannten Autors war als ein Rundbrief an mehrere Gemeinden geschrieben worden. Er hatte die Aufgabe, die Gemeinden zu stärken und ihnen deutlich zu machen, was sie vor allen anderen Glaubensgemeinschaften heraushob. Letztendlich ging es um die Frage: Was habe ich eigentlich davon, ein Christ zu sein. Ist es nicht egal, was ich glaube und was ich bin, Hauptsache, ich bin ein guter Mensch? Eine Frage, die sich heute in unserem „Multikultiumfeld“ auch immer wieder stellt. Brauche ich die Kirche, brauche ich Gott, was hab ich davon, wenn zur Gemeinde gehöre? Diese Fragen werden heute vor allem mit unterschiedlichen Angeboten der Kirche beantwortet. Kirche als Dienstleister, der Verschiedenes im Angebot hat. Der Apostel beantwortet die Frage ganz anders. Ihr seid Kinder des Lichts, so sagt er es hier. Das ist zunächst einmal eine große Zusage. Kinder haben ein Zuhause, sie haben Eltern, sie dürfen sich sicher und geborgen im Schoß der Familie fühlen. Sie können so unbeschwert und behütet leben und aufwachsen. Sie müssen sich keine Sorgen machen, Vater und Mutter sind da und sorgen für alles, was sie zum Leben brauchen. Sowohl Vater als auch Mutter will Gott für uns sein. Bei ihm dürfen wir uns als Kinder fühlen und entwickeln. Die großen Sorgen dieser Welt, sei es die Coronakrise oder der Klimawandel, dürfen wir in die Hände Gottes legen in der großen Hoffnung, dass er bei uns ist und uns nicht vergessen hat. Er ist uns Vater und Mutter und nichts kann uns von seiner Liebe scheiden. Das ist zunächst die große und befreiende Zusage Gottes an uns. Als solche Kinder aber sollen wir uns auch so benehmen. Man soll an uns erkennen, wer unser Vater und unsere Mutter ist. Und Kennzeichen der Kinder Gottes sind Gerechtigkeit, Güte und Wahrheit. Große Begriffe, die zunächst wie eine Überforderung klingen. Kann man immer gütig sein, immer die Wahrheit sagen, und sich stets für die Gerechtigkeit einsetzen. Allein über diese Begriffe könnte ich jetzt noch seitenweise schreiben. Aber keine Angst, das tue ich nicht. Vielleicht nur so ein Gedanken, der mir bei all diesen Begriffen kommt. „Was nicht aus dem Herzen kommt, ist nicht echt“. Was heißt das? Ich denke, es ist die Frage nach dem Grund all meines Tuns und Handelns. Was ist in meinem Herzen? Luther hat gesagt: Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott. Ist es das Geld, der Luxus, Macht und Einfluss, oder die Liebe Gottes? Ist es Gottes Liebe, dann muss ich mich nicht verstellen, dann sage ich die Wahrheit, bin gütig und trachte nach Gerechtigkeit und das in der jeweiligen Situation, in der ich lebe. Dann kann mir keiner vorschreiben, was ich zu tun habe, dann sagt mir mein Herz, was jetzt gerade dran ist. Christ sein, heißt, ein freier Mensch zu sein, der einen Vater und eine Mutter hat, die immer zu ihm stehen, so dass ich mich frei um diese Welt und die Menschen kümmern kann. Dann frage ich in unserer Zeit nicht danach, ob mir eine Maske unerträglich ist und ich meinen Urlaub so begehen möchte wie immer, weil ich ein Recht darauf habe, dann frage ich danach, wie ich in diesen schlimmen Zeiten mich und meine Mitmenschen am besten schützen kann. Ich hoffe, ihr merkt ein wenig, was ich meine.

In diesem Sinn wünsche ich ich eine schöne Woche.                      

Euer P. Gräwe