Gedanken zum 4.Sonntag nach Trinitatis

04.07.2020

Gedanken zum 4.Sonntag nach Trinitatis

Gedanken zum Wochenspruch für den 4. Sonntag nach Trinitatis

Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.    Gal. 6,2

Liebe Schwestern und Brüder!

Unser heutiger Wochenspruch ist dem Brief des Apostel Paulus an die Galater entnommen. Dieser Brief zählt wohl zu Recht zu den härtesten Briefen des Apostels. Wir erleben hier den guten Paulus wie kaum einmal an anderer Stelle. Warum? Nun, kurz gesagt, steht hier eine Gemeinde in der Gefahr, alles zu verlieren, was sie durch Christi Tod und Auferstehung gewonnen hatte. Es waren Gegner des Evangeliums, wie Paulus sie nennt, in die Gemeinde gekommen und haben den Menschen den Floh ins Ohr gesetzt, dass es bei weitem nicht ausreiche, nur zu glauben. Sie forderten, dass auch die jüdischen Gesetze der Tora eingehalten werden müssen und dass man sich beschneiden lassen muss, um in den Genuss des Heils zu kommen. Paulus rastet aus und man spürt seinen drastischen Worten an, wie sehr ihm gerade diese Gemeinde, die zu seinen ersten gehörte am Herzen lag. Allein der Glaube, allein Jesus Christus, allein das Vertrauen in die Liebe Gottes bewirken das Heil und nichts anderes. So „reformatorisch“ könnte man die Lehre des Paulus hier zusammenfassen. Wenn schon Gesetz, dann allein das Gesetz der Nächstenliebe, die aus dem Glauben fließt und damit auch kein Gesetz ist, sondern eher eine Konsequenz des Glaubens darstellt.

Und was geht uns das heute an? Ich denke, wenn ich mir so manche „kirchlichen Äußerungen“ ansehe, dann sind wir von dem, was da in Galatien so vor sich ging gar nicht so weit entfernt sind. Aber vielleicht in anderer Form. Unser Glaube ist geprägt durch das Evangelium, von der froh machenden Botschaft von Jesus Christus, der alles für unser Heil getan hat. Aber ist das so? Immer wieder hören ich die Worte: „Du musst“. Als guter Christ musst du klimaorientiert leben, musst gegen „Rechts“ und „Links“ auf die Straße gehen. Du musst am Besten Vegetarier sein, um das „Tierwohl“ zu schützen, außerdem musst du solidarisch sein. Achtet doch einmal darauf, wie oft wir als Christen die Worte „Du musst“ hören. Und wehe, wenn du das nicht tust. Dann bist du kein guter Christ und dann kommst du auch nicht in den Himmel. Unter den Worten „Du musst“ wird oft so viel vom Willen Gottes erzählt, dass ich den Eindruck habe, dass Gott selber nicht mehr weiß, was er da alles von uns fordert. Paulus sagt, das ist nicht evangelisch, das ist keine froh machende Botschaft. Allein der Glaube und das Vertrauen darauf, dass Christus alles für unser Heil getan hat, macht selig, sagt er. Alles, was wir tun, so wichtig es auch ist, kann immer nur ein Frucht dieses Glaubens sein. Haben wir das heute ganz vergessen? Einer trage des anderen Last, das ist eine Frucht dieses Glaubens. So kommt man vom Lastenträger zum Lustgewinn und nicht zum zusammen brechenden Esel. Jede Entscheidung, wie ich mit einem Problem umgehe muss mir überlassen bleiben, jede Drohung mit der Hölle, wenn ich nicht das tue, was man verlangt, ist mit der froh machen Botschaft nicht zu vereinbaren. Verantwortungslosigkeit kommt, so Paulus, aus einem schwachen Glauben heraus. Nur so sind wir frei, so frei, wie Paulus es uns verkündet hat durch das Kommen Christi. Lasst euch diese Freiheit des Glaubens nicht nehmen. Verantwortung zu übernehmen ist in diesen Zeit lebenswichtig und notwendig, aber sich sagen zu lassen, wie man sich das Heil verdient, ist, entschuldigt, ich spreche jetzt einmal so wie Paulus, vom Teufel.

In diesem Sinn eine schöne Woche.